„Hispaniola“ ankert im Rittersaal |
Vergangenes Jahr noch als „kleiner Horrorladen“ „geschmäht“, ist der Rittersaal auf Schloss Hellenstein nun zur „Schatzinsel“ geworden. Diese Aufwertung verdankt das alte Gemäuer dem Heidenheimer Jugend-Musical-Projekt „JuMP“, das sich der Musical-Variante von Robert Louis Stevensons Roman „Die Schatzinsel“ angenommen hat. Eine Kneipe nahe Bristol: Was der Rum beim alten Seebären Bill Bones (gespielt von Regisseur Oliver von Fürich) noch nicht geschafft hat, erledigt ein Schlaganfall – er rafft ihn dahin. Bones hinterlässt aber eine geheimnisvolle Schatzkarte, die der Junge Jim (Kathrin Sowik) beiseite schaffen kann, denn für den Fetzen interessiert sich eine Reihe düsterer Piraten. Jim vertraut sich Dr. Livesey (Dennis Berndt) und der Admiralsgattin Mrs. Trelawny (Julis Schwarz) an, die kurzerhand eine Crew unter der Führung von Kapitän Smollett (Andreas Ocker) zusammenstellt, um zur Schatzinsel zu segeln. Was sie nicht ahnen: die Mannschaft gehörte einst zu Pirat Flint und hört eigentlich nur auf den einbeinigen Schiffskoch Long John Silver (Marc Jahraus). Konfliktpotenzial? Oh, ja! Es gibt wüste Trinkereien und noch wüstere Schießereien und am Ende hat nicht nur das Gute gesiegt. Der Weg dahin ist freilich über weite Strecken sehr vergnüglich. Das liegt nicht nur an erfahrenen Ensemblemitgliedern wie Julia Schwarz, der die Rolle der exaltierten Lady wie auf den Leib geschrieben ist, wenngleich sie leider nur wenig singen darf. Gleich in ihrer ersten Rolle konnte bei der Premiere am Samstag auch die 14-jährige Heidenheimerin Kathrin Solwik als „Jim“ begeistern, die mit großer Präsenz und viel Nervenstärke das Stück mitbestimmte. Eine großartige, an Monty Python erinnernde Show zog auch Philipp Lang als der gestrandete „Benn Gunn“ ab, und mit dem Käse-Song vor der Pause (inklusive einer Schar von „Musical-Ziegen“) lieferte er einen Höhepunkt der Inszenierung. Gekonnt agierte auch die weitgehend aus „Neulingen“ bestehende Piratenschar. Während in der zweiten Hälfte eine Passage etwas dialoglastig geraten ist, geht die Mischung aus teils rabiaten Spielszenen und den eingängigen Melodien der Musicalfassung durchaus auf. Auch die Aufgabe, die vielen Orte der Handlung auf die schmale Bühne im Rittersaal zu packen, wurde prima gelöst, zumal die „Hispaniola“ mit Bug, Mast und Segel mehr als nur angedeutet wurde. „Die Schatzinsel“ wird noch aufgeführt am 9., 10., 11. und 12. August, jeweils um 20.30 Uhr im Rittersaal (bei schlechtem Wetter im Konzerthaus). Jens Eber |