Die Ziegen-Girls und der Käse |
Reife Leistung: Das „JuMP“-Ensemble überzeugt auf dem Schlossberg mit abenteuerlichem Piraten-Musical Dass Piraten nicht nur auf der Kinoleinwand Erfolg versprechen, sondern auch im Musical, das bewies das Jugend-Musical-Projekt „JuMP“ mit seiner Version der „Schatzinsel“, die im Rittersaal auf Schloss Hellenstein Premiere hatte. Das Wetter spielte mit, und so erlebte das Publikum ein abwechslungsreiches Abenteuerspektakel, das weder Spannung noch Spaß vermissen ließ. Schon das opulente Bühnenbild – der eindrucksvolle Bug der „Hispaniola“, die Bar von Mutter Hawkins, dazu Kisten, Fässer und Körbe – rang dem Publikum einige „Ahs“ und „Ohs“ ab. Dazu die vielfältigen Kostüme, die gelungene Maske – der Augenschmaus war schon mal perfekt. Und dann ist da noch das glänzend aufgelegte Ensemble, das unter der vielfach bewährten künstlerischen Leitung von Oliver von Fürich eine reife Leistung ablieferte. Um eine geheimnisvolle Schatzkarte drehte sich alles in der Geschichte der „Schatzinsel“, eine Schatzkarte, die zufällig in die Hände des kleinen Jim Hawkins gerät. Und der wird daraufhin zum Spielball zwischen den Schatzjägern, gerät ein ums andere Mal in brenzlige Situationen, kann aber durch beherztes Einschreiten zum guten Ende beitragen. Die Rolle des kleinen Jim spielt die 14-jährige Kathrin Sowik, und das tut sie so natürlich und frisch, dass man kaum glauben möchte, dass sie zum ersten Mal bei „Jump“ dabei ist. Marc Jahraus ist nur wenig länger im Ensemble und muss für seine Darstellung des dunklen Long John Silver ebenfalls gelobt werden, und zwar nicht nur aufgrund der schauspielerischen Leistung, sondern auch wegen des enormen körperlichen Einsatzes, den ihm das Laufen mit einem Holzbein abverlangt. Julia Schwarz, schon eine „alte „JuMP“-Häsin“ mit beachtlicher Stimme, hat die Lacher auf ihrer Seite als Admiralswitwe Trelawny, die sie herrlich affektiert mit großem komödiantischen Talent gibt. Und dann ist da noch Philipp Lang als Schiffbrüchiger Ben Gunn, der in einer Mischung aus Robinson Crusoe und Catweazle das Publikum ebenfalls zu Szenenapplaus hinreißt. Doch das gesamte Team, das beileibe nicht nur durch den dunklen Gesang von „Ho, ho, ho, und 'ne Buddel voll Rum“ überzeugt, verdient Achtung und Anerkennung für seine sowohl spielerisch als auch gesanglich runde Show. Dazu kommen köstliche Regieeinfälle, wie beispielsweise der reichlich schräge und völlig überraschende Auftritt der Ziegen-Girls samt Ben Gunn mit ihrer Lobeshymne auf den „Käs“ – an Komik kaum zu überbieten. Oliver von Fürich, der als Bill Bones einen kurzen, aber effektvollen Auftritt hat, hat viel rausgeholt, und das sowohl aus der Geschichte als auch aus dem Ensemble. Dazu kommt die Musik des „Treasure Island Orchestra“ unter Leitung von Markus Munzer-Dorn, das Bühnenbild von Valerie Erben, Rainer Strobl, Stefan Herzog und Beate Kaufmann, die Kostüme von Anita Schwarz und Katja Junginger, die Maske von Bianka Würdinger, Anja Rees, Corina Wiesner, Ines Wiesner, Patricia Frey und Anita Schwarz – fertig ist ein rundum gelungener Musical-Abend. Und dass beispielsweise die gerade gehisste britische Flagge just in dem Moment hernieder sinkt, als die englische Nationalhymne erklingt – auch solch ein Missgeschick hat Charme in dieser launigen Inszenierung, an der am Ende nicht nur der heiß begehrte Schatz leuchtet, sondern auch die Zuschaueraugen. Schade ist nur, dass die Technik an manchen Stellen versagt hat, sodass die eine oder andere Stimme unterging. Und ganz zum Schluss lassen sogar noch die Leinwand-Piraten grüßen – zum langen Applaus gesellt sich die Titelmusik von „Fluch der Karibik“. Was im übrigen – nur so als Tipp – gar nicht notwendig gewesen wäre: Zu gerne hätte so mancher Zuschauer abermals den witzig-spritzigen „Käs“ genossen. Weitere Vorstellungen der „Schatzinsel“ sind am 9., 10., 11. und 12. August, jeweils ab 20.30 Uhr im Rittersaal auf Schloss Hellenstein. Bei schlechtem Wetter wird im Konzerthaus Heidenheim gespielt. Karten gibt es im Ticketshop im Pressehaus in Heidenheim (Tel. 07321.347-139). Marita Kasischke |