Keine Rutschgefahr

Schwungvolle „Jump“-Frühlingsgala in Königsbronn

Keine Rutschgefahr

Das Stichwort „Gala“ hat mitunter einen Beigeschmack: Poliert ist manches bis zur Rutschgefahr, es wird Gassenhauer an Evergreen gereiht und ein roter Faden ist oft allerhöchstens in den opulenten Abendkleidern zu finden. Beim Heidenheimer Jugend-Musical-Projekt „Jump“ hat man es mit der Frühlingsgala anders gemacht – und das war sehr gut so.

Anstelle einer endlosen Reihe von Hits aus „Cats“ bis „Chess“ präsentierte das zum Teil sehr junge Ensemble bei der Premiere in der Königsbronner Brenzhalle unter dem Titel „Here we come“ über knapp anderthalb Stunden gut ausgewählte Songs, die in einen straffen, aber nicht zu gewichtigen Rahmen eingewoben waren.

Für die Gala, die, so die Annahme der Regie, im zweiten Teil des Abends stattfinden sollte, mussten zunächst geeignete Sänger gewonnen werden. Dem Aufruf zum Vorsingen, neudeutsch: Audition, folgten die unterschiedlichsten Charaktere: eine vermeintlich verschüchterte Leoni Neumaier, die ein zartes „Let's play a love scene“ (aus „Fame“) sang; der rotzfreche Rocker Marc Jahraus röhrte zur Freude der Jurorin (Teresa Dietzel) ein „Hot Patootie“ (aus der „Rocky Horror Picture Show“), während Bianka Würdinger zu ihrem Stück „Can't help lovin' that man“ axtbewehrt auf die Bühne stürmte. Sehr hübsch auch der Auftritt der schwäbischen Putzfrau (Kathrin Sowik) mit dem Dschungelbuch-Lied „My own home“.

Nach der Pause dann die eigentliche Gala, bei der einmal mehr Bianka Würdinger glänzte, unter anderem mit „Irgendwo wird immer getanzt“ aus dem Musical „Mozart!“. Sehr schön anzuhören auch Teresa Dietzels Version von „Take that look of your face“ aus dem Webber-Musical „Song & Dance“. Überhaupt gab es an den Gesangsdarbietungen wenig zu mäkeln, zumal einige der Akteure erst im Februar zu „Jump“ gestoßen sind.

Verdienten Applaus erhielt am Ende auch Regisseur Sebastian C. Maier, unter dessen erstmaliger Führung mit kleinem Aufwand sehr sehenswerte Szenen entstanden waren. Bewährt hat sich zudem die ebenfalls erstmals beteiligte musikalische Leiterin Yvonne Zein, die mit Schlagzeuger Andi Pfeiffer und Saxophonistin Katja Sievers das Geschehen gut untermalte.

Wenn das Ensemble diesen Schwung bis in den Sommer trägt, darf man sich auf „Footloose“ im Rittersaal tatsächlich freuen.

Jens Eber