29.07.2008 Heidenheimer Zeitung: Unbeschwertes Vergügen |
„Jump“feierte mit „Footloose“ Premiere am Brenzursprung „Footloose“ heißt übersetzt „frei“ und „unbeschwert“. „Footloose“ heißt aber auch der Tanzfilm, der in den 1980er-Jahren für Furore gesorgt hat. Darauf basiert das gleichnamige Musical, das das kurz „JuMP“ genannte Jugend-Musical-Projekt Heidenheim in dieser Saison auf die Beine gestellt hat. Und das 25-köpfige Ensemble präsentiert denn auch sehr frei und unbeschwert eine mitreißende Inszenierung, wie die Premiere am Freitagabend am Brenzursprung in Königsbronn bewies. Was Regisseur Sebastian C. Maier aus dem doch relativ unerfahrenen Ensemble herausgeholt hat, ist wirklich beachtlich. Beachtlich ist aber auch, welchen Pfiff er in die Geschichte um Jugendliche in einer gestrengen Kleinstadt mit Tanzverbot bringt. Viele Lacher erntet das Trio Nora Scheunert, Kathrin Sowik und Leoni Neumaier als kesse Gören-Gang. Optimal besetzt ist gleichermaßen die Rolle des ein wenig unbeholfenen Willard mit dem ganz natürlich die Pointen ausspielenden Dennis Berndt. Bemerkenswert meistert Andreas Ocker seine Rolle als Reverend Shaw Moore, der seine konservative Haltung schließlich zugunsten der Jugendlichen aufgibt. Allen voran agieren Julia Mayer als rebellisches Pfarrerstöchterlein und Marc Jahraus als nicht minder rebellischer Neuling in der trostlosen Kleinstadt Ren McCormack in den Hauptrollen: Nicht zuletzt ihr Duett „Almost Paradise“ lässt aufhorchen und sorgt nicht nur für romantische Stimmung am Brenzursprung, sondern auch für einige Gänsehaut, an der die Frische der Quelle nun wirklich keine Schuld hat. Überhaupt schlagen sich die jungen Sänger, denen die Geschichte um Jugendliche und ihre Probleme sichtlich Spass bereitet, wacker durch die Gesangsnummern: Prisca Sokolowski als Pfarrersgattin sorgt für rührende Momente in ihrem Solo, und im Duett mit Jenny Jahraus in der Rolle der Mutter McCormack zeigt sich gleich doppeltes Stimmpotenzial. Mit besonderer Begeisterung quittiert werden natürlich die großen Hits aus dem Musical: Nora Scheunert als Rusty singt und tanzt sich in die Herzen der Zuschauer mit „Applaus für meinen Boy“, der deutschen Übersetzung von „Let's hear it for the boy“, und richtig zur Sache geht's mit dem Titelsong „Footloose“, der nicht nur dem Ensemble, sondern auch den Zuschauern mächtig in die Beine geht. Und nicht zuletzt die Band unter Leitung von Stephanie Martin kann sich diese wunderbare Wirkung durchaus auch auf ihre Fahnen schreiben. Wieland Still hat mit seiner Choreographie Bilder geschaffen, die einerseits von den jungen Darstellern gut umgesetzt werden können und andererseits dem Zuschauer wohlgefällig ins Auge springen. Holger Kaufmann, dem die Gesamtleitung von „Jump“ obliegt, und Projektleiter Stefan Herzog können mit Fug und Recht stolz auf diese Produktion sein und auf ihr Ensemble, das dem Publikum vor allem eines beschert: einen völlig unbeschwerten Musicalabend. Wer dieses Vergnügen am Wochenende in Königsbronn verpasst hat, der sichere sich am besten jetzt schon Karten für die weiteren Aufführungen im Rittersaal im Schloss Hellenstein. Dort wird „Footloose“ am 6., 8., 9. und 10. August jeweils ab 20.30 Uhr zu sehen sein – hoffentlich unbeschwert von den Launen des Wetters. Marita Kasischke |