29.07.2008 Heidenheimer Neue Presse: Haben Jugendliche ein Recht auf Spaß? |
Das Heidenheimer Jugendmusical-Projekt hatte Premiere: „Footloose“ ist eine große Energieleistung eines sehr jungen Teams Bei herrlichem Wetter und vor schöner Kulisse feierte die Inszenierung „Footloose“ des Heidenheimer „Jugendmusical-Projekts“ (kurz: JuMP) am Freitag abend vor dem Königsbronner Rathaus Premiere. Bisher fanden die Erstaufführungen immer im Heidenheimer Rittersaal statt. Einer der Gründe für den Schauplatzwechsel war laut Könisbronns BM Michael Stütz seine jahrelange Freundschaft mit dem JuMP-Organisator Holger Kaufmann. Nach der gelungenen In- terpretation von Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“ im vergangenen Jahr waren die Er- wartungen an und der Druck auf die jungen Talente von JuMP groß. Die Geschichte von „Footloose“ bildet eine hervorragende Grundlage für eine gelungene Show: Der sympathische Teen- ager-Rebell Ren McCormack (Marc Jahraus) zieht widerwillig mit seiner Mutter (Jenny Jahraus) von der Großstadt Chicago in die ländliche Idylle des Städtchens Bomont, wo Ruhe und Ordnung herrschen. Dafür sorgt der strenge Reverend Shaw Moore (Andreas Ocker). Alkohol, Rockmusik und aufmüpfiges Verhalten sind ihm und den restlichen Erwachsenen von Bomont ein Dorn im Auge. Die Wurzel dieses Misstrauens liegt in der Vergangenheit: Auf der Fahrt von einer Tanzveranstaltung kamen der Sohn des Reverends und dessen Freunde bei einem Autounfall ums Leben. Seither sind derlei Veranstaltungen strickt verboten. Da sind Konflikte mit dem tanzbegeisterten Neuankömmling Ren natürlich vorprogrammiert. Diese Geschichte der Rebellion und des „Rechts der Jugendlichen auf Spaß“ ist keineswegs an den Haaren herbeigezogen. Der 1984 erschienene Tanzfilm basiert auf einer wahren Begebenheit: Im Städtchen Elmore City, Oklahoma, waren jegliche Tanzveranstaltungen seit 1861 per Gesetz verboten. Erst 1980 wagten die Jugendlichen der Stadt, öffentlich gegen das Gesetz aufzubegehren. Somit war diese Geschichte den jungen Mitgliedern von „JuMP“ wie auf den Leib geschneidert. Und wie ihre Vorbilder im wahren Leben und im Film gaben sie alles: Mit dem temporeichen Stück „Footloose“ starteten die jungen und dynamischen Darsteller mit der durchweg hervorragenden Liveband, die ebenfalls einen Platz auf der Bühne (und nicht etwa hinter den Kulissen) hatte, in den Abend. Von Anfang an zeichnete sich vor allem eines ab: Die Darsteller von JuMP und die Inszenierung selbst entstammen nicht der hochprofessionellen Musical-Szene – und zeigten gerade deshalb Charme: Das Bühnenbild von den Darstellern selbst den jeweiligen Szenen angepasst, der Ton wackelt noch an einigen Stellen; und für aufwändige Kostümwechsel fehlt einfach die Zeit. So trugen die Akteurinnen beispielsweise in einer Kirchenszene „obenrum“ ganz züchtige Sakkos, während die Beine noch in Hotpants und Netzstrumpfhosen gehüllt waren -amüsant und charmant zugleich- Die Choreographien für die fetzigen Tanzeinlagen stammen von Wieland Still von der Tanzschule Rupprecht. Regie führte Sebastian C. Maier, der bereits an den Berliner Kammerspielen und am Theater Lübeck als Spielleiter fungierte. Das Wichtigste an einem Musical sind und bleiben aber nach wie vor die Gesangs- und Schauspielleistungen: Marc Jahraus konnte als Ren McCormack überzeugen, allerdings spürte man in Gestik wie Stimme Nervosität. Vielleicht verliebt sich ja gerade deshalb Ariel, die Tochter des Reverends (gespielt von Julia Mayer) in den rebellischen Großstädter. In dem einzigen englischsprachigen Stück des Abends, dem Liebes- duett „Almost Paradise“, konnten beide durchweg überzeugen. Als hervorragende Schauspieler zeigten sich Andreas Ocker als grimmiger Reverend und besorgter Vater und Nora Scheunert in der Rolle der quirligen Rusty. Die konstant besten Leistungen brachten Dennis Berndt als liebenswert tollpatschiger Willard,der für die meisten Lacher sorgte, Prisca Sokolowski als Pfarrersfrau Vi und Leoni Neumaier als Wendy Jo. Die meisten Darsteller sind noch sehr jung (zwischen 14 und 22 Jahre), weshalb die Stimmen teilweise noch unsicher wackelten. Doch die Zeit, die alle Beteiligten aufgebracht haben, die Leiden- schaft, mit der sie an das Projekt herangegangen sind, und die Energieleistung sind, um BM Stütz zu zitieren, „ganz fantastisch" Carolin Wöhrle |